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Über das Loslassen


  06.07.2018 - Eine Bekannte bittet mich, für eine Zeitschrift einen Text über das Loslassen zu verfassen. Andere würden über die Familie, Kinder, den Umzug ins Altersheim schreiben. Für mich als Gärtnerin wäre das doch auch ein Thema, meint sie.

Und in der Tat. Sogleich gehen meine Gedanken auf Wanderschaft.
Ich habe ein Büchlein, in dem ich meine ersten Pflanzeneinkäufe notierte. Wenn ich heute darin blättere, merke ich, dass Einige davon  heute nicht mehr in meinem Garten sind. Statt ihrer gibt es andere und in noch einmal paar Jahren wieder ganz andere Schätzelein, die ich hegen und pflegen werde.
Auch das Wetter ist für mich Gärtnerin eine gute Übung im Loslassen. Es regnet, wenn ich eigentlich im Garten arbeiten will, oder – wie in diesem Jahr – es regnet überhaupt nicht. Die Pflanzen begeben sich in einen Sprint. Vieles blüht gefühlt viel zu früh, nur ganz kurz und gleichzeitig. Und ich frage mich, wie werden meine Staudenbeete aussehen, wenn der Phlox verblüht, wenn schon so vieles durch ist? Doch das Wetter habe ich nicht in der Hand. Ich muss gießen wie ein Weltmeister und meine Vorstellung loslassen, dass meine Blumenbeete im August wieder so schön aussehen werden wie im Vorjahr, als es so oft und viel geregnet hat.
Ich erinnere mich an einen Gartenbesuch. Der Besitzer des Gartens war auf dem Sprung, nach Amsterdam zu verziehen. Das Anwesen war im Vergehen, die vielen Formschnittgehölze nicht mehr gepflegt, die Jugendlichen des Dorfes hatten randaliert. Der Besuch war Anlass, darüber zu philosophieren, wann der richtige Zeitpunkt wäre, seinen Garten abzugeben, ihn loszulassen. Wer gärtnert, denkt unweigerlich darüber nach.
Kürzlich besuchte ich Gärten im Elsass, deren Besitzer große Gartenanlagen pflegen. Einen Garten altersgerecht zu gestalten, so habe ich bei Marguerite Goetz gelernt, bedeutet nicht automatisch, alle Pflanzen daraus zu verbannen. Stattdessen legte sie mit ihrem Mann einen beeindruckenden Kiesgarten mit trockenheitsresistenten Pflanzen an, die sie überhaupt nicht gießen muss. Wie es sei, wenn sie ihren Garten nicht mehr pflegen kann, so erzählte Marguerite, darüber denke sie nicht nach. Heute sei heute und morgen morgen. Auch das ist eine Art des Loslassens.
Jutta B. übrigens, Besitzerin eines Gartens in Mamerow, würde an dieser Stelle erzählen, wie sie das Loslassen ihres Gartens heute versteht: Ich gebe ihn der Natur zurück!

Die Kolumne von Beate Schöttke-Penke finden Sie immer sonnabends in der Schweriner Volkszeitung.





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