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Geduldsspiel um eine Kostbarkeit


  23.08.2018 - Geduld gilt als eine wichtige Gärtnertugend. In einer Zeit, in der alles und jedes jederzeit verfügbar scheint, lehrt uns das Gärtnern Anderes. Wir haben es mit Lebendigem zu tun und das führt sein Eigenleben.

Manchmal ganz anders, als wir uns das erwünschen. Und dennoch bleiben wir am Ball und lieben gerade das.
Ein Beispiel gefällig? Vor Jahren erblickte ich im Garten von Gudrun Rix bei Kiel eine zauberhafte Pflanze. Die aus dem Westen Chinas stammende Sternblütige Sichuan Deutzie (Deutzia setchuensis var. corymbiflora) stellte sich als eine botanische Kostbarkeit heraus. Der filigran wirkende Strauch wird höchstens anderthalb Meter hoch und bezaubert ab Mai über Wochen durch seine üppige Blütenfülle. Wie der Name schon sagt, verleihen schneeweiße, sternchenhafte Blüten der Pflanze einen grazilen, elfengleichen Charme, der an einen Sternenhimmel erinnert. Leider gab es von der pflegeleichten Pflanze, die hell und sonnig stehen sollte, nur ein Exemplar zu kaufen. Das erwarb eine Bekannte.
Bei einem späteren Besuch in deren Garten fiel mir die zauberhafte Deutzie erneut ins Auge. Nun erbat ich mir ein paar Stecklinge, die ich ein paar Wochen später bekam. Es war schon November und ich hütete die Ableger wie meinen Augapfel. Dennoch musste ich im Frühjahr feststellen, dass nur ein Steckling die kalte Jahreszeit überstanden hatte. Ihn pflanzte ich in einen kleinen Terrakottatopf, den ich mir aus dem Garten von Christophyer Lloyd in England mitgebracht hatte – der handgearbeitete Topf mit Geschichte sollte dem Pflanzenwinzling signalisieren, dass ich ihn sehr wert schätze. Noch immer wuchs der Steckling nicht in die Höhe, nicht in die Breite, bildete aber im Sommer ein paar erste weiße Blüten aus. Im darauf folgenden Winter kam der Topf wieder in einen kalten Raum, zu Beginn des Frühjahrs verfrachtete ich ihn allerdings in unser Gewächshaus. Die milden Temperaturen hier schienen der Deutzie zu gefallen. Endlich wuchs sie von der Stelle. Umgetopft bekommt die botanische Schönheit nun ihre tägliche Wasserdosis und lohnt dies mit einer ersten üppigen Blüte und einem kräftigen Zuwachs.
Natürlich hätte ich die Pflanze auch käuflich erwerben können. Ob ich dann die gleiche Freude an ihr hätte? Wohl kaum. Die Gärtnerin, die sich eigentlich nicht für geduldig hält, ist durch die kleine Deutzie eines Besseren belehrt worden.

Die Kolumne von Beate Schöttke-Penke finden Sie immer sonnabends in der Schweriner Volkszeitung.




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